Nach der Landung wurden wir erstmal von einem Schwall feuchtwarmer Luft begrüßt der uns sagte, dass wir uns im Urwaldgebiet befanden. Vor dem Flughafen hatten wir die folgenreiche Entscheidung zu treffen ob wir mit einem Mototaxi über die Straßen rumpeln wollen, oder doch lieber den Komfort eines richtigen Taxis genießen. Wir entschieden uns für das günstigere Mototaxi und fuhren in einem Wirrwarr aus weiteren Mototaxis und überfüllten Mofas Richtung Stadtzentrum. Unser Mototaxi war aber nicht irgendein Mototaxi, es war wahrscheinlich das einzige Party-Moto in der ganzen Stadt; der Fahrer hatte nämlich an das Metallgestänge kurzerhand ein Autoradio montiert, hinten ein paar Boxen eingebaut und dann gings mit schlechter 90er Partymusik auf voller Lautstärke los – auf jeden Fall war die Fahrt nicht langweilig. Folgenreich war die Entscheidung aber weniger wegen der Musik, sondern dadurch, dass unser Fahrer, wie die meisten Taxifahrer in fast allen Städten Perus, versuchte sich eine Provision zu verdienen indem er uns zu einem Hostel oder einer Tour-Agency brachte. Eine Unterkunft hatten wir schon, aber da wir noch keine Agentur für eine Dschungeltour hatten und es in Iquitos unzählige davon gibt, ließen wir uns darauf ein, dass er uns zu einigen hinfuhr. Im Endeffekt buchten wir auch bei einer von diesen, mit ein paar großen Zweifeln, nachdem ein anderer Typ, der wohl der Guide von unserer Unterkunft war, uns noch doof von der Seite angequatscht hatte, dass diese Agentur ja so schlecht wäre… davon ließen wir uns aber nicht beirren und haben die Entscheidung im Nachhinein auch nicht bereut. Abends wurden wir bei ein paar letzten Einkäufen von wolkenbruchartigen Regenfällen ins Hostel getrieben und hofften nur, dass es in den nächsten Tagen nicht so weiterregnen würde. In den 3 Schritten vom Mototaxi ins Hostel sind wir bis auf die Haut nass geworden!
Am nächsten Tag wurden wir früh morgens von unserem Guide Wilson abgeholt. Nach zwei Stunden in einem klapprigen Bus und zwei weiteren im Boot waren wir an unserem Camp angekommen. Normalerweise dauert die Fahrt dorthin wohl noch viel länger, aber dadurch das gerade Regenzeit war und der Wasserpegel der Flüsse in dieser Zeit bis zu 12 Meter steigt, konnten wir eine Abkürzung über überschwemmtes Land nehmen. Das Lager bestand aus mehreren Holzhütten auf Stelzen, die Wände waren halb aus Holz, während die obere Hälfte statt Fenstern mit Moskitonetzen bedeckt war. In einer dieser Hütten wurden die nochmals mit Moskitonetzen versehenen Matratzenlager aufgebaut. Außer uns waren zu dem Zeitpunkt noch ein spanisches und ein chilenisches Pärchen dort. Des Weiteren gab es noch eine Ess-Hütte, eine zum Kochen, eine mit Duschen und Toiletten sowie eine für das Personal. Alle waren durch Stege miteinander verbunden waren.
Da es mir (Karina) nicht so gut ging, wurden meine Bauchschmerzen erstmal mit verschiedenen Gebräuen behandelt und wir ruhten uns einige Zeit in den Hängematten aus, bis wir unsere erste Expedition mit dem Kanu den Fluss hinunter starteten. Der allererste und auffälligste Eindruck vom Urwald war der allgegenwärtige Lärm der Zikaden, der mit erstaunlicher Lautstärke nur aufhörte, wenn er vom Prasseln des Regens abgelöst wurde. In den nächsten Tagen sahen wir bei verschiedenen Kanutouren – oft bei strahlendem Sonnenschein Tukane, Papageien und andere kunterbunte Vögel. Außerdem konnten wir auch mehrere Affenarten beobachten, wie sie in den Baumkronen herumsprangen.
Die einzige länger Dschungelwanderung, die wir auf festem Boden machten, war zwar auch sehr interessant, da Wilson uns verschiedene heilsame Urwaldpflanzen und ihre Wirkung zeigte, wir Wasser aus einer Liane tranken und uns an einer Liane hin- und herschwingend als Tarzan und Jane probieren konnten. Neben einigen großen strahlend blauen Schmetterlingen kreuzte auch eine hochgiftige Schlange unseren Weg. Leider wurde uns die Freude an diesem Ausflug von dem andauernden Regen etwas vermiest, da dieser das Mückenschutzmittel sofort von unseren Gesichtern abwusch, was zu unzähligen Mückenstichen (in dieser doch etwas empfindlichen Region) führte.
Eine weitere Tagesaktivität war das Piranha-Fischen. Als Angel diente ein einfacher Bambusstab mit einem Nylonfaden und einem Haken, an den wir ein Stück rohes Fleisch steckten… Das Gebiss dieser Viecher sieht von nahem schon sehr beeindruckend aus, obwohl die Fische selber nur etwa handflächengroß waren. Wir durften sie dann zum Abendessen auch probieren, aber an so einem Piranha war nicht viel Fleisch dran und sehr schmackhaft ist er auch nicht.
An einem Abend ging es im Kanu zu einem See, der aber durch das Hochwasser inzwischen mit dem Fluss verbunden ist, auf die Suche nach Kaimanen. Dadurch, dass die Kaimane am liebsten bei völliger Dunkelheit und möglichst keinem Mond an die Wasseroberfläche kommen, konnten wir auf Anhieb erstmal nicht so viel sehen. Beim Leuchten mit der Taschenlampe entdeckten wir Kaimane dadurch, dass ein rotes Augenpaar zurückleuchtete. Unser Guide versuchte dann mehrmals einen Kaiman zu fangen, was ihm schließlich auch gelang, so dass wir uns das gute Stück aus der Nähe anschauen und anfassen konnten. Am letzten Abend machten wir eine kleine Nachtwanderung in den Dschungel, wo wir Taranteln, große Kröten und andere nachtaktive Bewohner des Dschungels kennen lernten – leider waren auch hier unzählige Mücken mit von der Partie.
Dann mussten wir am 4. Tag diese faszinierende Welt auch schon wieder verlassen – die vielen Mücken (-stiche) machten uns den Abschied etwas leichter. So ging es mit Boot (unterwegs konnten wir noch einige Blicke auf die berühmten pinken Flussdelphine erhaschen) und Bus wieder zurück nach Iquitos, wo wir noch Zeit hatten uns das barrio flotante (schwimmende Stadtviertel) namens Belén anzuschauen. Hier steht das komplette Stadtviertel in der Regenzeit unter Wasser, so dass man nur in Kanus und anderen Booten von Haus zu Haus kommt. Die Häuser selber sind entweder auf Stelzen oder auf einer Plattform von schwimmendem Holz gebaut. Etwas traurig ist, dass das Wasser sehr dreckig ist, da die Bewohner achtlos allen Müll einfach ins Wasser schmeißen, in dem dann die Kinder baden und schwimmen gehen. Schließlich ging es schon wieder zum Flughafen, von wo aus wir in den Sonnenuntergang hinein zurück in Richtung Lima flogen, wo wir dann am nächsten Morgen in einen Bus in die Berge nach Huaraz stiegen.
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